Geschichten aus dem Leben
Sie liegt ganz nackt in einem dunklen Zimmer, nur das Mondlicht, das durch das Fenster dringt, erhellt ihr Gesicht und die Entstellungen darin.
Ihr ganzer Körper ist taub, sie kann sich nicht eigenständig bewegen, alles was sie tun kann ist daliegen.
Wie oft hat sie das schon ertragen müssen, ohne aus ihrem Zuhause, andere würden es ein Verlies nennen, ausbrechen zu können.
Geschlagen, benutzt, fast wurde ihr der Kopf abgerissen. Dann fallen gelassen, am Boden liegend traten sie noch auf sie. Nur um irgendwann endgültig weggeworfen zu werden, weil sie nicht mehr interessant ist, ihr Antlitz nicht mehr wie früher glänzt oder einfach weil ihr Besitzer sich von ihr weg entwickelt hat, sie sich sozusagen auseinanderlebten.
Früher noch konnte keine Minute vergehen, ohne dass ihr die gesamte Aufmerksamkeit galt. Sie bekam fast wöchentlich neue Kleider, manchmal gar ein Auto oder sogar ein Haus.
Deshalb erduldete sie wohl auch die Übergriffe, teils sogar vom Bruder, der sie so gar nicht leiden konnte und dies auch physisch nur zu gerne unter Beweis stellte.
Was soll man machen, sie wurde dafür ja reichlich entlohnt. Dann wieder neues Make-Up und Schminke, um sie wieder wie neu und hübsch aussehen zu lassen. Damit niemandem auffällt, dass ihre Haut verblasst. Doch es fällt auf.
Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis an ihre Stelle eine jüngere, eine neue rückt. Vielleicht kann sie trotzdem im Haus bleiben, doch nur noch als Restposten, als das Stück das zwar noch vorhanden ist, aber auch eher nur der alten Bindung willen. Interessieren tut sie nicht mehr, warum auch, die neue ist eben neuer, aufregender.
Vielleicht wäre es besser, sie würden sie rausschmeißen, einfach weg, damit keiner mehr ihren Anblick ertragen muss, die zerzauste Frisur, die alten Kleider, die vergilbte Haut.
Das Schicksal einer Barbie.