04. Mai 2009

Psychotherapie für junge Menschen


Wenn man die Überschrift liest, denkt man sich „Welche Probleme kann ein junger Mensch denn schon haben?“  Aber man wundert sich doch, wenn man im Wartezimmer einer psychotherapeutischen Praxis sitzt, und bemerkt, dass mindestens 60% der Patienten unter 30 sind. Und das an einem Tag. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4,4% der Männer und 13,5% der Frauen an Depressionen. Sogar bei Kindern unter 12 Jahren, liegt die Häufigkeit zwischen 0,3 und 2,5%. Nun stellt sich also die Frage nach dem Warum. Nehmen wir allein die Scheidungen. Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden. Aber was passiert mit den Kindern? Nun, oftmals werden sie zwischen Mutter und Vater hin und her geschoben, sehen Mutter oder Vater überhaupt nicht oder nur jedes zweite Wochenende. Doch ist das der richtige Weg unsere Kinder für die weite Welt vorzubereiten? Darüber lässt sich gewiss streiten, denn nur wenige der vielen Scheidungskinder in Deutschland bekommen Hilfe oder fachgerechte Betreuung für das „danach“. Oftmals wird auch schon lange vor der Scheidung, die unschuldige Seele eines Kindes verletzt. Unbewusst für die meisten Eltern, aber es geschieht. Jeden Tag. In hunderten, wenn nicht tausenden von Haushalten in ganz Deutschland. Eltern streiten, Kinder sitzen daneben und wissen nicht warum und suchen die Schuld bei sich. Die meisten Gedanken dieser Kinder verwandeln sich mit den Jahren in schwere Störungen des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins. Manche schaffen den Schritt zurück, von der Klippe, in die sie zu stürzen drohen, durch helfende Hände in der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis der Familie. Doch die meisten müssen, wenn sie Teenager sind, nachdem sie Drogen und Alkohol für sich entdecken, die Schule unregelmäßig oder gar nicht besuchen und sich wundern, warum es zuhause überhaupt nicht klappt, feststellen, dass sie es ohne professionelle Hilfe nicht mehr schaffen werden. Und ein nicht ganz so kleiner Prozentsatz zeigt, dass einige dieser jungen Menschen keinen Ausweg mehr für ihre inneren Leiden sehen. Im Internet gibt es Selbstmordforen, Selbstmordratgeber und sogar Selbstmordmethoden, die man nachlesen kann. Wie kann es sein, dass in unserem Land solche Internetseiten frei zugänglich sind, für Menschen, für unsere Kinder, um ihnen zu „helfen“ sich von ihren Qualen zu befreien? Jedes Jahr sterben etwa 300 Kinder und Jugendliche durch Suizid. Man kann es wahrscheinlich nicht vollständig verhindern, aber man kann vorbeugen, indem man das Verhalten seiner Kinder beobachtet und auf sie eingeht. Man muss über Probleme sprechen um sie zu lösen. Sei es nach oder während einer Scheidung oder bei irgendwelchen anderen Problemen, in die unsere Kinder zwangsläufig hineingezogen werden. Deutschlands Kinder und Jugendliche brauchen Hilfe! Doch sie brauchen vor allem die Unterstützung ihrer Eltern und Familien, denn die traurige Wahrheit ist, dass man, ob Kind oder Erwachsener, mit etwa 4-12 Monaten Wartezeit rechnen muss, wenn man sich endlich für eine Psychotherapie entschließt. Diese Zeit können junge Menschen nicht allein überbrücken. Es ist die Verantwortung ihrer Eltern, ihnen Liebe, Zuwendung und sehr oft auch ein Ohr zu leihen. Kinder sind unsere Zukunft und wir müssen darauf achten, dass sie es auch bleiben.

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