Das Ballkleid macht aus der Punk-Queen eine Dame
Manchmal möchte man verzweifeln, wenn die pubertierenden Töchter ihren Weg zum eigenen Kleidungsstil suchen. Nichts ist furchtbarer für eine Mutter, als die Zeit, in der die Tochter beginnt, dicke schwarze Balken um die Augen zu malen, knallroten Lippenstift auszuprobieren, und die Kleidung von tiefschwarz bis zerrissen und schlampig variiert. Man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, die Kinder wachrütteln und ihnen verbieten, sich mit teilrasierten Köpfen und grünen Strähnen dem Punk-Leben zu verschreiben.
Alle gut gemeinten Ratschläge und Verbote werden jedoch mit Trotz und stolzer Verweigerung hingenommen, sogar Strafen werden in Kauf genommen. Für die Erziehungsberechtigten gilt es, Piercing-Wünsche und Tätowierungsvorhaben zu verhindern, wo es nur geht – alles andere wird im Laufe der Zeit von selbst wieder verschwinden. Spätestens, wenn der erste Freund ins Haus steht, oder das Abiball-Kleid besorgt werden muss, wird man den ersten stillen Sieg erreichen. Das Ballkleid ist meistens der erste Schritt in die Damenwelt – abgesehen von kurzen Ausflügen in die festliche Kleidung bei Kommunion, Hochzeiten in der Verwandtschaft oder ähnlichem. Nicht ohne Stolz wird dann ein ganz neues Konzept der Kleidung entworfen, wenn es um den Abschlussball geht. Nach dem bestandenen Abitur ist man der Welt der Erwachsenen doch einen Schritt näher, und die Tochter überlegt plötzlich voller Eifer, welche elegante Hochsteckfrisur zum traumhaften Abiball-Kleid passen könnte, welcher Schmuck und welche Schuhe das Outfit ergänzen. Hat siech die junge Dame dann erst einmal so festlich angezogen im Spiegel betrachtet, könnte ein spontaner Gesinnungswechsel alle Streitigkeiten mit Vater oder Mutter bezüglich Kleidung, Schminke und Frisur auslöschen.
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